ROC-Sättel...


Vorab:

Es gibt kaum einen Sattel, der so widersprüchlich diskutiert wird, wie die ROC Sättel. Wir haben uns schon seit Jahren damit befasst und auch dazugelernt. Natürlich haben wir uns unsere Erfahrungen auch erst erarbeiten müssen, teilweise mit toller Unterstützung von ROC.
Leider hören wir immer wieder von Leuten, sie hätten erhebliche Probleme mit ROC-Sätteln.

Für diesen Sattel habe ich dann noch ein schönes Sprichwort gefunden:

Der Herr gebe Dir die Kraft
das zu ändern was du ändern kannst,
das zu ertragen was du nicht ändern kannst,
und den Verstand beides voneinander zu unterscheiden!


Der ROC I umgebaut in absoluter Wanderreitqualität - danke an Stefan Wanek für dieses Stück Hochtechnologie im Sattelbau

Der ROC – Sattel : Einer für alle Fälle
Vorwort

Über den ROC zu schreiben, beinhaltet die zentrale Problematik dieses Sattels aufzuzeigen:
Seine größte Stärke ist zugleich seine größte Schwäche!

Stärke:

Der Baum ist so geschnitten, das er das Pferd an der Schulter weder einzwängt, noch die Bewegung der Schulter behindert. Daraus resultiert besserer Takt und bessere Losgelassenheit des Pferdes.


Die Polsterung ist mit dem genialen Plattensystem schnell, strukturiert und logisch zu ändern oder zu wechseln. Daraus resultiert eine schnell zu verwirklichende individuelle Polsterung die nebenbei noch sehr kostengünstig ist!

Schwäche:

Der Baum kann und soll sich an der Schulter des Pferdes nicht festhalten, wie z.B. ein Western- oder Militärsattel. Vorausgesetzt falsche Reitweise und/oder falsche Polsterung ist zu erwarten, das der ROC andauernd nach vorne oder hinten rutscht.

Wer die Polsterung selbst ändert und keine Erfahrung hat, oder sich selbst über den Ausbildungsstand seines Pferdes und sich selbst nicht im klaren ist, hat mit unendlich vielen Möglichkeiten und Varianten der Polsterung bald den Überblick verloren und wird keine brauchbare Lösung mehr finden.

Meines Wissens (ich lasse mich hier gerne verbessern) ist der ROC der einzige Sattel, der frei gepolstert werden kann ohne aufwendiges öffnen stopfen und zunähen.
Auch die verbauten Materialien habe ich an anderen Sätteln noch nie gesehen.

Zu guter Letzt steht hinter dem Namen ROC der geniale Geist des Stefan Wanek mit einen imensen Potential an inovativen Ideen und Gedanken!

Warum aber haben doch einige Reiter mit diesem Sattel Probleme?
Nun hier stoßen wir auf den zentralen und wichtigsten Punkt dieses Sattels und meineserachtens der gesamten Reiterei: Eigentlich ähnlich der Mathematik!
Wer das kleine Einmaleins nicht verstanden hat, wird das darauf Aufbauende nie verstehen!
Aber nun genug der Rätsel. Wer also die Reitlehre, insbesondere die Skala der Ausbildung nicht kennt, nicht versteht oder nicht umsetzen kann, kann hier das Lesen aufhören !!!

Um dies zu unterstreichen möchte ich hier
Knut Krügerzum Thema Losgelassenheit zitieren:

„Der Ausbilder kann nur sehr schwer erkennen, ob das Pferd in der Rückenmuskulatur losgelassen ist. Dies erfühlt nur der Reiter und dieser lässt sich leicht auf eine falsche Fährte locken…
Wie bequem ein Pferd sitzen lässt, ist manchmal erst nach längerer Arbeit an der Losgelassenheit zu beurteilen. Auf einmal lässt das Pferd richtig los und das Sitzgefühl scheint dem Reiter unglaublich viel bequemer. „

Zum weiteren möchte ich an diesem Punkt noch eine zweite Quelle anführen. Die von mir ebenfalls hochgeschätzte
Sonja Berger aus der Schweiz:

„Auch wann immer Schwierigkeiten auftauchen solltest du die Skala der Ausbildung Punkt für Punkt durchgehen um herauszufinden wo die Wurzel des Problems liegt.“

Zum letzten möchte ich den Meister selbst (Stefan Wanek) zu Wort kommen lassen. In seiner Schrift „Das aktive Sattelkonzept“ schreibt er:

„Den sechs Grundregeln der klassischen Ausbildung
Takt
Losgelassenheit
Anlehnung
Schwung
Geraderichten
Versammlung
wird heute viel zuwenig Beachtung geschenkt.“

Nun will ich hier den schwarzen Peter nicht allein dem Reiter zuschreiben, aber gerade da wir einen kleinen Wanderreitbetrieb führen in dem 15 (!) ROC´s auf den verschiedensten Pferden im Einsatz sind, die alle keine Probleme aufwerfen, sollte das Anlaß genug für andere sein über obiges nachzudenken.

Der ROC im Betrieb der Rötelbergranch

Was mir auffällt, ist das alle 15 Sättel den gleichen Sattelbaum (Podium P 16 W) haben.
Die Anpassung geschieht nur über die Polsterung! Was natürlich zum Nachdenken über urkomplizierte, pseudowissenschaftliche Sattelvermessungssysteme anregt!!!
Das nächste was in Bezug auf die Konstruktion des ROC´s auffällt, ist seine Vielseitigkeit.
Schwups wird aus dem Basis Sattel (ROC I) ein Wanderreitsattel der Extraklasse mit Packtaschen und Stauraum ohne Ende!
All diese Vorteile haben dazu geführt, das ich mir persönlich kein anderes Sattelsystem für meine Pferde vorstellen kann.

Verbesserungen

Nun, das Bessere ist der Feind des Guten! Es gibt in meinen Augen kaum eine Sache, die man in Nuancen nicht noch ein bischen verbessern kann (Im heutigen Sprachgebrauch auch Tuning genannt).
Hiervon, und nicht von der revolutionären Neuerfindung des ROC´s will ich sprechen.

Die Deckensätze

Auf unserer Frankreichtour 2003 fiel mir die erste Idee ein. Das Problem war, das auf diesem Ritt, durch die Tatsache das wir Ausrüstung für ca. 10 Tage dabei hatten, ich diesem Umstand Rechnung trug und die Polsterung verstärkte. Beim Einsatz in den Vogesen fiel mir dann auf, das der Sattel nach ca. 5 bis 6 Stunden Reitzeit begann „durchzufallen“, also langsam dem Widerrist immer näher kam.
Nachdem ich aber am Abend die Polsterung in den Deckensätzen richtete, war am Morgen des nächsten Tages alles wieder in Ordnung. Nach 5 bis 6 Stunden Reiten zeigten sich die selben Symptome wieder.
Die Ursache war, wie sich zeigte, das die Taschen in die das Polstermaterial gesteckt wird und die Ihrerseits auf die Federn des Baums gesteckt werden, keine genügende Fixierung gegenüber dem Sattelbaum hatte.
Man stelle sich das so vor, das die Polsterung gegenüber dem Pferderücken dort blieb wo sie war, aber das System Sattelbaum-Federn-Decken sich relativ zum Pferderücken bewegte. Kurzfristige Abhilfe schuf das zunähen der beiden Decken, was aber den schnellen Zugriff auf die Polsterung verhinderte. Wieder in Bayern habe ich die Decken mit Ösen versehen und ziehe sie seither nach der Polsterung mittels eines Schnürsenkels zusammen. Im folgenden zeige ich den Umbau anhand einer Bilderfolge:
















Erster Schritt: wir makieren rechts und links von der Polsteröffnung auf den Decken die Punkte, wo später die Ösen eingenietet werden.  Im zweiten Schritt stanzen wir nun die Ösenlöcher  Hier sieht man nun die Teile die benötigt werden: links die Messingösen und rechts passende Unterlegscheiben damit´s die Ösen nicht durch den Stoff zieht 
Hier werden die Ösen per Zange eingenietet  Beachte den blauen Daumennagel - Eine Dummheit aus vorangegangener Arbeit   Hier die fertige Arbeit - Nur noch polstern, Schnürsenkel rein und ab aufs Pferd!!! 


Wenn ein Wanderreitsattel - wie im Bild der ROC - in 10 Tage Wanderreiten in den Vogesen weder bei Reiter noch Pferd Schwierigkeiten macht, hat er das Prädikat Wertvoll verdient!!!

Noch im Jahr 2003 hat Stephan das Problem selbst erkannt. Seine heutigen Deckensätze (erkennbar daran das sie jetzt aus einem Teil bestehen) haben Klettverschlüsse und zwei Kammern. Diese Deckensätze können natürlich auch an die älteren Baum-Feder-Systeme angesteckt werden!

Aufhängung

Ende 2005, so ca. August haben wir dann den ersten Holzbaum als Probestück bekommen.
Nun bin ich nach wie vor kein Fan des Schichtholzbaums (den es mittlerweile nur noch gibt!), aber ein Gutes hatte es für mich doch.
Das Revolutionäre ist in meinen Augen eben nicht das Material des Baums, sondern die Aufhängung desselbigen. War beim Kunststoffbaum die Dreiecksgurtung so angebracht, das der Baum praktisch auf die Federn drückte, ging Stefan beim Holzbaum einen komplett anderen Weg. Hier ist die Gurtung an den Federn angebracht, der Baum ist sozusagen „schwimmend“ am Pferderücken gelagert.
Dies hat mich dazu inspiriert einen Sattel mit Kunststoffbaum nach diesem Prinzip umzurüsten. Der Erfolg ist spürbar. Die Pferde gehen noch gelassener und die Sättel bleiben noch besser dort wo sie hingehören. Auch nach langen Galoppaden oder langen Ausritten liegen die Sättel dort wo man sie ursprünglich gesattelt hat.
Übrigens: Rückenprobleme und Druckstellen kennen wir auf der Rötelbergranch seit der Einführung der ROC´s nicht mehr!

Resümee

Viele Leser dieser Homepage wird es nicht verwundern, wenn ich wiedereinmal anmerke das Reiten, Reiten und Reiten verschiedenste Dinge sind!!!
Wer glaubt durch einen anderen Sattel oder ein anderes Gebiß, durch irgendwelche ominöse Halsverlängerer (ja, kein Scherz die gibt’s!!!) oder sogar durch den kurzfristigen Wechsel des Pferdes wegen einer „ plötzlichen Wesensveränderung“ einen Ausweg aus der „Misere Pferd“ hin zum zuverlässigen, rittigen, gut kontrollierbaren Wanderreitpferd zu finden sucht, der täuscht sich nur selbst!
Letztendlich ist Wanderreiten wie ein Puzzle mit 1.000.000 Teilen – schon den Rahmen zusammenzusetzen ist eine Ewigkeitsaufgabe!

Dietmar

PS.: Falls irgendjemand Interesse an näheren Informationen zum Thema ROC hat, der schreibe mir eine Mail!