Laika, die 'Wundertüte'...

Eine gutmütige und treue Seele...


Vermutlich habe ich einzig und alleine meine anhaltende Pferdeleidenschaft meinem ersten Pony "Leika" zu verdanken, die mir das Erlernen des Umgangs mit Pferden unheimlich leicht machte.
Naiv und unerfahren habe ich damals im Alter von 12 Jahren nach jahrelangem Betteln meinen Vater davon überzeugen können, dass seine pferdeverrückte Tochter endlich ein eigenes Pferd braucht. Über Bekannte kamen wir an die Adresse eines Pferdehändlers in der Nähe von Ingolstadt, dieser hätte das passende Pferd für uns im Stall. Also nichts wie hin und Pferd inspizieren. Unser erster Eindruck, dieses im Kaltbluttyp stehende Kleinpferd passte so ganz und gar nicht in das Pferderepertoire des Händlers. Dieser holt nämlich ausschließlich Turnierpferde aus dem Münsterland nach Bayern, die besseren gehen wieder in den Sport, die anderen verkauft er als gut ausgbildete Freizeitpferde für den ambitionierten Geländereiter, alles Warmblutpferde mit midestens 1,65 Stockmaß. Laut Aussage des Händlers hat er dieses Pony nur mitgekauft, da die 17-jährige Vorbesitzerin schwanger wurde und ihr Vater daraufhin zur Strafe das Pferd verkaufen wollte, ob die Story stimmte, wissen wir nicht, jedoch habe ich die ganzen Jahre an Leika keinen "Pferdefuß" entdecken können.
Und da also stand dieses Pony, ganz ruhig und freundlich sah es uns an und ließ sich von mir auch problemlos aufhalftern, was mich natürlich ungemein in meinem Ego bestärkte! Erste Hürde geschafft! Auch Putzen und Satteln war absolut kein Problem und beim Proberitt in der kleinen Reithalle erwies sie sich als sehr angenehm und reagierte auch auf meine sicherlich nicht immer ganz korrekten Hilfen. Fazit war, dass wir sie am selben Tag noch mit nach Hause nahmen, Anhängerklappe auf und schon führte ich mein erstes eigenes Pferd in den Pferdetransporter, auch das lief ohne Probleme, sie ging einfach ohne zu zögern wieder hinter mir her, ich war stolz wie Oskar! Wie bereits gesagt, Leika, wie wir sie nannten, machte mir alles wirklich ziemlich einfach.
Als frisch gebackener Pferdebesitzer konnte ich es natürlich kaum erwarten, endlich in den Sattel meines ersten eigenen Pferdes zu steigen und prompt bekam ich meinen ersten Dämpfer, der mich die nächsten Wochen "Rotz und Wasser" heulen ließ, denn wir hatten laut Vertrag 6 Wochen Rückgaberecht mit dem Händler vereinbart, falls ich mit Leika nicht zurecht kommen sollte, natürlich für mich am Tage des Pferdekaufs undenkbar....
Das Problem war, ich konnte mit ihr unseren Hof nicht verlassen. Kaum waren wir ein paar hundert Meter auf der Straße, drehte sie plötzlich um und rannte im gestreckten Galopp zurück zum Stall, egal ob dabei ein Auto im Weg war oder eine 90°-Kurve genommen werden musste, ich saß da oben drauf und war völlig hilflos, mein einziger Gedanke war, "Nur nicht runterfallen!".
Nachdem mir das nun einige Male so passiert ist, kam mein Vater auf die glorreiche Idee, mit dem Fahrrad vor Leika her zu fahren und ab da konnten wir unsere Ausritte unternehmen, aber dass dies keine dauerhafte Lösung sein konnte war mir absolut klar. Im Nachhinein muss ich sagen, dass nun glücklicherweise der Winter kam, mit viel Schnee, eiskalt und mir nun auch zu kalt zum Reiten. Um jedoch trotzdem möglichst viel Zeit mit Leika verbringen zu können, ging ich nun also stundenlang mit ihr spazieren, querfeldein über die zugeschneiten Wiesen und Felder. Da ich sie nun doch schon fast ein halbes Jahr kannte und ihr Charakter im Umgang einfach traumhaft war, wurde ich etwas leichtsinnig und machte folgenden Versuch: Wird sie mir auch folgen, wenn ich Leika vom Führstrick lasse? Vorsichtshalber habe ich mir noch sämtliche Taschen mit harten Brotstücken vollgestopft, da ich naiverweise der Meinung war, so könnte ich sie notfalls trotzdem noch locken, falls sie doch nicht mit meiner Wegwahl einverstanden sein sollte. Gesagt, getan, wir probierten das Ganze aus .... und es funktionierte!!! Leika lief mit, wie ein Hund und sprang sogar über kleine Wassergräben, wobei ich natürlich als erste drüber springen musste. Sogar im Wald funktionierte das Freilaufen. Lief ich schneller, trabte sie hinter mir her, manchmal überholte sie mich und blieb aber kurz darauf stehen, so dass ich sie wieder einholen konnte. Ging ich weiter, obwohl sie noch damit beschäftigt war, Grashalme aus dem Schnee zu scharren, trabte Leika mir hinterher, falls der Abstand drohte, zu groß zu werden. Genauso hatte ich es mir jahrelang vorgestellt, während ich stapelweise Pferdebücher verschlang, in denen das Pferd zum besten Freund des jeweiligen Mädchens wurde, echt naiv, oder!? Aber es funktionierte und von da ab funktionierte auch das Ausreiten!
Erst Jahre später wurde mir bewusst, dass Leika anfangs einfach kein Vertrauen zu mir hatte, frisch gekauft und den Stall gewechselt. Ich schaffte es jedoch unbewusst, durch den stundenlangen Umgang mit ihr, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, dass bis zu ihrem Tod bestanden hat.
Wir machten unzählige Ausritte, Wanderritte, Martinsumzüge, Stadtfeste, Märkte und Auftritte, Pferdesegnungen und Kinderfeste und immer war sie der Fels in der Brandung. Nichts konnte sie erschüttern, wahrscheinlich hätte neben ihr sogar noch eine Bombe einschlagen können, auch das hätte sie nicht beunruhigt. Kein Mähdrescher, kein LKW, kein Düsenjet, keine Donaufähre brachte sie aus ihrer unerschüttlichen Ruhe, sie war für mich mit meinen 13 Jahren das beste Lehrpferd und eine absolute Lebensversicherung!
Später lernten unzählige Kinder auf ihr die ersten Reitanfänge, sogar die Kleinsten hatten keine Scheu, mit Leika ihre ersten Pferdeerfahrungen zu machen, sie war immer absolut zuverlässig und berechenbar.
Ihre gutmütige Art hat jedoch auch leider immer wieder den Einen oder Anderen dazu verleitet - bewusst oder unbewusst - unfair zu werden oder eine gewisse Macht zu demonstrieren. Soweit ich dies verhindern konnte, versuchte ich Leika jedoch davor zu schützen.
Wie bekannt und beliebt Leika mittlerweile war, wurde mir deutlich, als wir im Rahmen der 1000-Jahr-Feier in Saal a. d. Donau uns an dem historischen Umzug durch den Ort beteiligten. Während der 2-stündigen Dauer hörten wir alle paar Meter irgendwelche Kinder "Leika, da ist die Leika!" rufen, von denen ich die meisten aber gar nicht kannte. Dieser Bekanntheitsgrad überraschte uns alle.

Im reifen Alter von 25 Jahren bekam sie jedoch Herzrhythmusstörungen und sprach auch nur kurzzeitig auf Medikamente an. Innerhalb 2 Tagen verschlechterte sich ihr Zustand drastisch und nach ausführlicher Beratung durch unseren Tierarzt beschlossen wir, sie zu erlösen.

Leika hat mir viel beigebracht und ich habe sicherlich nicht wenige Fehler gemacht, die ich leider nicht mehr rückgängig machen kann. Die einzige Chance ist jedoch, die selben Fehler nicht nochmal zu machen, bei unseren anderen Pferden.
Ein Pferd wie Leika, werde ich aber vermutlich nie mehr besitzen, sie war wirklich einmalig!

Daten:


Offizieller Name: Laika
Geboren: unbekannt (geschätzt 1982)
Rasse: unbekannt
Herkunft: unbekannt (irgendwo aus Norddeutschland)

Mein allererstes Pferd, eine Stute unbekannter Herkunft und Rasse, geboren 1982, Stm 1,47 m Farbe dunkelbraun, seit 1988 in meinem Besitz.

Laika erwies sich von Anfang an als eine Perle, was Umgang und Verlässlichkeit betraf, ansonsten wäre ich vermutlich mit meinen 13 Jahren und der damaligen Pferdeerfahrung sowieso überfordert gewesen. Laika lässt sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen und ist dadurch auch unser Anfängerpferd Nr. 1.

Mittlerweile wird sie auch in der Motopädagogik eingesetzt, was ihr sehr zu gefallen scheint, denn am Schluss jeder Stunde wird sie von den Kindern fleißig mit Leckerlis verwöhnt.

(chr)

Eigenschaften:

'Grande Dame' der Herde...

Sie geht jedem Konflikt aus dem Weg, hat jedoch die seltene Fähigkeit, trotzdem immer 'etwas abzubekommen'.

Sie beweist fast täglich ihren Langmut, was unerfahrene Reiter betrifft. Sie ist ruhig, kinderlieb und souverän.
Ab und zu hat man den Verdacht, daß irgendein Scherzbold einen Esel mit eingekreuzt hat... zumindest lässt die sporadisch auftauchende 'Sturheit' dies vermuten.. :-)=)

Sie bildet eine wichtige Grundlage unseres Reitbetriebes. Aufgrund ihrer fortgeschrittenen 'Reife (Alter) setzen wir sie ab Frühjahr 2003 nicht mehr für mehrtägige Wanderritte ein. (Oder wollen Sie mit 70 noch auf Montage gehen..?)


Historie:

durchgeführte Distanzritte:

comming soon...

Im Reitbetrieb vor allem für ungeübte Reiter und Kinder eingesetzt.